Auf der Suche nach einem neuen Zuhause…

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Wo um alles in der Welt habe ich in dieser Unendlichkeit mein Zuhause? Im Hintergrund sind die flirrernden Lichter der Stadt zu sehen – eines Teils des Stadt – genauer gesagt nur dem südlich gelegenen Stadtteil „Sabaneta“. Geschätzt ist etwa ein Viertel oder ein Fünftel von Medellín damit im Bild zu sehen.

Auch der im Foto festgehaltene Blick aus dem 13. Stock meiner jetzigen Unterkunft kann mich nicht endgültig begeistern. Zu sehr dröhnen noch alle Straßengeräusche herauf, zu nahe ist der Nachbar im Hochhaus, kein „Draußen-sein“ bei dem wunderbaren Klima. (Anmerkung: Es gibt hier keine Mücken!).

Also war ich gestern mit Ruben, dem absolut vertrauenswürdigen Fahrer der Schule, der kein Wort deutsch oder englisch spricht, auf Kosten des Colegios mehrere Stunden durch die Stadt geschickt worden, wo es mir denn so behagen würde. Mit Ruben hat die Kommunikation perfekt funktioniert; er hat die ganze Zeit ununterbrochen gesprochen und alles geregelt. Weiß der Himmel, wie Verständigung manchmal möglich ist! Wahrscheinlich gehört dazu eine Menge Erfahrung und Einfühlungsvermögen. Entiendes? Si? Cierto? – Entiendo! Si! Cierto! ..aber auf einer anderen als der sprachlichen Ebene.

Im schicken Stadtteil „El Poblado“ – wo der Großteil der Lehrerschaft wohnt? Nein! Die Attraktivität eines Wohngebietes richtet sich im Wesentlichen nach den Vergnügungsmöglichkeiten am zentralen Plaza eines Stadtteils und den vielen in den vergangenen 15 Jahren wie die Pilze aus dem Boden geschossenen an den Berghängen gelegenen, luxuriösen Hochhäusern, deren Statik aber deshalb nicht zwangsläufig gesichert ist! Eines ist in den vergangenen Jahren in sich zusammengestürzt.

In „Sabaneta“, wo es den „weltberühmten“ Käse gibt? Nein!

„Envigago“? Wo einst Pablo Escobar residierte? Nein!

In „La Estrella“! Der etwas unorganisierte Stadtteil ganz im Süden, letzte Metro-Station, in der Nähe der Schule, in einem bewachten Haus in einer sogenannten, etwas spießigen „unidad“ (Zitat von Naara in diesem Sommer: „Mama, Du wärst auch eine gute Spießerin geworden!“ – Jetzt ist es also soweit, meine Liebe!) mit einer wunderschönen Aussicht auf die grüne Bergkette, relativ hoch und ganz ruhig gelegen, kein Verkehrslärm – Terrasse in der oberen Etage, Patio, drei Schlafzimmer. Alles gut. Reserviert bis Dienstag. Nur der Schulleiter wohnt bislang in dieser bei den Deutschen wenig beliebten, aber sicheren Gegend – nur noch ein kleines Stück weiter bergauf. Wir sind also die zwei einzigen Seltsamen im Kollegium und werden mit dem Fahrrad zur Schule fahren!

Ggf. wird sich bis Dienstag noch eine Finca in den Bergen auftun. Ansonsten ist die Entscheidung zumindest auf meiner Seite gefallen …